Reflexintegration

Was sind frühkindliche Reflexe?

Im Mutterleib wird die Bewegung des Kindes reflektorisch, also unwillentlich, gesteuert. Sie dienen der körperlichen Entwicklung und dem Stressschutz im Mutterleib.

Diese genetisch festgelegte Bewegungsmuster, stellen das Überleben als Säugling sicher. Das Gehirn eines Fötus / Säuglings kann die Bewegungen noch nicht bewusst steuern, weshalb die ersten Bewegungen der Babys nach festgelegten Reflex-Bewegungsmustern ablaufen. Bereits im Mutterleib, beim Geburtsvorgang und ganz besonders im ersten Lebensjahr spielen die Reflexe bei der Entwicklung des Kindes eine entscheidende Rolle. Ihre Aufgabe besteht im Aufbau stabiler Nerven-verbindungen im Gehirn und für eines stabilen Muskeltonus, damit wir uns gegen die Schwerkraft aufrichten, stehen, gehen und laufen lernen.

Es gibt Reflexe wie der Schluck-, Liedschlag- oder Patellasehnenreflex u.s.w., die ein Leben lang aktiv sein sollen und im Alltag wichtige Aufgaben übernehmen. Im Gegensatz dazu stehen die 13 frühkindlichen Reflexe, bei denen jedem einzelnen eine bestimmte Entwicklungsaufgaben zugeteilt ist, die bei der körperlichen und geistigen Reifung des Kindes helfen. Sie können ihre Arbeit nur dann erfüllen, wenn sie immer wieder stimuliert, also ausgelöst wurden. Ist dies, zu jedem einzelnen Reflex, oft genug der Fall, hat das Gehirn entsprechende Verknüpfungen gebildet, ist gereift und der einzelne Reflex wird „überschrieben“. Er kann dann von willentlich gesteuerten Handlungen abgelöst werden, das Reflex-Bewegungsmuster wird nicht mehr gebraucht somit wird er gehemmt (integriert) und im Stammhirn „abgelegt“ ( um nur für Notsituationen zur Verfügung zu stehen ). Alle Reflexe sollten ihre Entwicklungsaufgaben bis zum Ende des dritten Lebensjahres erfüllt haben und dann integriert sein.

Spätestens mit dem Schuleintrittsalter sollten alle frühkindlichen Reflexe gehemmt sein, denn damit ist die neuronale und körperliche Reife des Kindes für den Schulstart gegeben.

Was ist Reflexintegration?

Reflexe, die nicht häufig genug stimuliert wurden, d. h. sie wurden nicht oft genug ausgelöst, haben im Gehirn keine ausreichenden Verknüpfungen gebildet. Dies führt zu einer unzureichenden Reife des Gehirns und es kommt zum Teil noch zu Reflexbewegungen, d. h. Restmuskelreaktionen. Diese sorgen im Körper des Kindes für Unruhe oder es benötigt, unbewusst, einen hohen Energieaufwand, um die Reflexmuster zu unterdrücken. Dies führt zu Ermüdungserscheinungen, schnell sinkender Konzentration, mangelnder Ausdauer, geringe Bereitschaft sich anzustrengen, Vermeidungs-strategien bis hin zu völliger Überforderung und Lernunlust.

Es gibt Faktoren, die sich ungünstig auf die Stimulation und Integration der frühkindlichen Reflexe auswirken können, dazu gehören z. B. Stress in der Schwangerschaft, Kaiserschnitt, komplizierte oder zu schnelle Geburt, Bewegungsmangel, zu früh viel Kontakt zu digitalen Medien etc. Dies kann dann eine Entwicklungsverzögerungen und auch eine neuronale Unreife begünstigen. Oft zeigt sich dies in sogenannten Auffälligkeiten wie beispielsweise Schwierigkeiten mit der Konzentration, körperliche Unruhe, Neigung zu Gefühlsausbrüchen, Schulprobleme beim Lesen / Schreiben und/oder Rechnen, motorische Defizite etc. zeigen.

Hierfür bietet die Reflexintegration ein speziell ausgearbeiteten Bewegungstrainings für die Nachreifung des zentralen Nervensystems. Die Erfahrungen in der Praxis zeigen, dass Lern- und Verhaltensauffälligkeiten zurückgehen und auch eine verzögerte Entwicklung aufgeholt werden kann. Das Reflexintegrationstraining kann es dem Kind ermöglichen seine Potentiale zu entfalten und weniger Anstrengung, mehr Lernerfolge sowie Lebensqualität zu genießen.

Nicht integrierte Reflexe können für folgende Themen eine Rolle spielen:

  • Konzentrationsprobleme
  • Aufmerksamkeitsdefizite
  • Unruhe und Hyperaktivität
  • Nicht stillsitzen können
  • Fehlende Impulskontrolle
  • Wut
  • Ungeschicklichkeit
  • Koordinationsprobleme
  • Auffälligkeiten in der Fein- und Grobmotorik
  • Wahrnehmungsdefizite, z. B. schlechte Raumwahrnehmung
  • Probleme in der Sprachentwicklung
  • Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und / oder Rechnen
  • Verkrampfte Stifthaltung
  • Geringes Selbstwertgefühl
  • Unsicheres Auftreten
  • Spätes Einnässen
  • Schmatzen bei Tisch
  • Anpassungsprobleme in Schule oder KITA
  • Ängstliches Verhalten / Schulangst

Als erstes wird durch einen Eltern-Fragebogen die Wahrscheinlichkeit analysiert, ob noch frühkindliche Reflexe beim Kind aktiv sind. Dieser Fragebogen steht hier als ausfüllbares Excel-Dokument zum Download zur Verfügung.

Fragebogen

Ergeben sich Hinweise auf noch aktive Reflexe, wird beim ersten Termin in der Praxis, der neuromotorische Entwicklungsstand des Kindes ermittelt. Wir testen die einzelnen Reflexe entsprechend der Reihenfolge ihres Entstehens. Auf Basis all dieser Ergebnisse wird dann ein individuelles Bewegungstraining aus passiven Übungen ( eine vertraute Person bewegt das Kind ) und aktiven ( Kind bewegt sich gezielt selbst ) für das Kind zusammengestellt. Wir besprechen alles gemeinsam und legen transparent den weiteren Ablauf des Reflexintegrationstrainings fest. Das Programm umfasst verschiedene Bewegungsübungen die von mir in der Praxis ausgeführt und dann von Bewegungsübungen zuhause ergänzt werden. Alle diese Übungen werden gemeinsam mit den Eltern in der Praxis ausführlich geübt und erklärt und können als Hilfestellung jederzeit über ein Video per QR-Code angeschaut werden.

Das Bewegungstraining ermöglicht eine Nachreifung des zentralen Nervensystems. Entwicklungsverzögerungen können so aufgeholt und die neuronale Schulreife erreicht werden. Die Erfahrung zeigt, dass sich Lern- und Verhaltensprobleme bereits nach den ersten integrierten Reflexen verringern, was dem Kind mehr Selbstwertgefühl schenkt, und das Selbstbewusstsein stärkt. Freue dich darauf, dass das Potential deines Kindes besser nutzen kann und es leichter durchs Leben geht!

Einen Zeitraum von 6-9 Monaten ( selten länger ) muss man für die Reflexintegration einplanen, währenddessen wir uns alle vier Wochen zu einem Termin treffen. Dort werden Stück für Stück die noch aktiven frühkindlichen Reflexe integriert und die zugehörigen Bewegungsübungen für die nachfolgenden vier Wochen zuhause besprochen und geübt ( wir bauen gemeinsam einen Trampelpfad und zu Hause wird dieser zur Hirn-Autobahn ausgebaut ). Die Kinder brauchen für das Bewegungstraining aktive Unterstützung durch die betreuenden Erwachsenen an wenigstens 5 Tagen pro Woche ( ideal täglich ) für 10 bis 15 Minuten auf einer Turnmatte ( aktiv ) oder im Bett ( passiv ). Dazu gibt es über einen Kopfhörer eine begleitende Musik, die beide Gehirnhälften optimal anspricht.

Von diesem Bewegungstraining profitieren die Kinder ein Leben lang.

Erkennen Sie in einigen Dingen Ihr Kind wieder? Habe ich Ihr Interesse an der Integration der frühkindlichen Reflexe geweckt? Rufen Sie mich gerne an oder schreiben Sie mir eine E-Mail.